Posts Tagged ‘Verdrängung’

Verdrängt in Berlin: Folge 26 – Verhandlung Amtsgericht Wedding

Samstag, September 30th, 2017

Nachdem die Großvenediger GmbH mit ihrem ersten Räumungsversuch kläglich scheiterte, dachten sich ihre Anwälte neue Kündigungsgründe aus. Nun sollte die „Überlassung der Wohnung an Dritte“ einen Kündigungsgrund darstellen. Der Anwalt der Kommune hatte angezeigt, dass Abha als Hauptmieter einzieht nachdem eine andere Hauptmieterin auszog. Statt den Wechsel zu genehmigen, fragte die Eigentümerin nach Midos wirtschaftlichen und persönlichen Verhältnissen und beklagte sich darüber, dass die Kommune keine Belege für seine „Solvenz und Friedlichkeit“ vorlegte. Der berüchtigte Richter Ralph Reifenrath sah darin einen Kündigungsgrund. Deshalb lud er den Zeugen zu dem Wasserschaden gar nicht ein, weil ein Kündigungsgrund ausreicht. Die Kommune sei auch keine WG, weil es sich um zwei eheähnliche Gemeinschaften handeln könne. Deshalb habe sie nicht das Recht, Hauptmieter auszutauschen.

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Halbes Hähnchen vom Himmel – Zwangsräumungen in Berlin Infoveranstaltung und Film

Montag, Juli 17th, 2017

Am brutalen Akt der Zwangsräumung zeigt sich die Unmenschlichkeit kapitalistischer Wohnungspolitik besonders deutlich – egal, wer gerade im Senat sitzt. Hände weg vom Wedding wird über die aktuelle stadtpolitische Lage und den Kampf gegen Zwangsräumungen und Verdrängung im Wedding berichten. Mireia Guzmán wird ihren Film über die Kreuzberger Zwangsräumungsbetroffene Mevla W. vorstellen. Der Film „Halbes Hähnchen vom Himmel“ zeigt, wie sich Frau W. bewaffnet mit Greifarm und handgeschriebenen Briefen an Berliner Gerichte dagegen wehrt, mit ihren 74 Jahren ihre Wohnung und soziales Umfeld zu verlieren. Das Berliner Bündnis Zwangsräumung verhindern! unterstützt Frau W. dabei und zeigt sich dort bis heute solidarisch mit Menschen, die vom Verlust ihrer Wohnung bedroht sind.

Freitag 21.7. | 19:00 Uhr | FAU-Lokal, Grüntaler Straße 24, Berlin-Gesundbrunnen

Verdrängung beginnt hier: Prinzenallee 35

Montag, Mai 29th, 2017

Nicht in meinem Hinterhof – not in my backyard!

Townhouses im Wedding gefällig? Kein Problem. Da haben wir was für dich – also, wenn du das entsprechende Kapital hast: Eigentumswohnungen und der „Traum vom Eigenheim“ für gerade einmal 4500€ pro m². Ein Schnäppchen für wohlbetuchte „Selbstnutzer und Kapitalanleger“.
Um den stolzen Preis den potentiellen Kund*innen schmackhaft zu machen, werben die Investor*innen mit dem „rauhen, ehrlichen und ursprünglichen Charme“ des Soldiner Kiezes und dem nahegelegenen Projektraum der Kolonie Wedding.

Irgendwie makaber, wie die sozialen Probleme des Kiezes beschönigt und als Vermarktungshilfe dienen. Und weil der Wedding doch irgendwie gefährlich klingt, wird ein „Sicherheitsschloss mit 3-facher Verriegelung“ angeboten. Kleiner Vertreibungs-Fact: Die Architekt*innen Gesa Schenk und Romed Perfler – direkt aus London umgezogen – haben auch das Projekt „WRANGEL 11“ in Kreuzberg hochgezogen. Ende 2018 soll dieser eher unscheinbare Leuchtturm der Verdrängung im Hinterhof der Prinzenallee 35 fertiggestellt sein. Die Gewerberäume, die als mögliche Cafés oder Galerien angeboten werden, stehen sinnbildlich dafür, dass auch das bezahlbare Konsumangebot für die alten Mieter*innen im Kiez immer weiter zurückgeschraubt wird.

Dieser Neubau ist Teil eines sich ständig verschärfenden Aufwertungsprozesses im Wedding und ganz Berlin. Falls ihr selbst solche Projekte in eurem Kiez gesehen habt, schreibt uns und/ oder kommentiert die Beiträge. Organisieren wir uns gemeinsam gegen den Ausverkauf der Stadt und unserer Kieze.

http://www.prinz35.de/ | Prinzenallee 35 Grundstücksentwicklung GmbH

Weitere Folgen werden wöchentlich hier veröffentlicht:
haendewegvomwedding.blogsport.eu
facebook.com/organize.hwvw