Posts Tagged ‘Verdrängung’

Verdrängung beginnt hier: “Cresco Capital Student Housing”, Brunnenstraße 123-125

Donnerstag, Februar 23rd, 2017

Nun aber ehrlich: wenn ein Investor mit dem Namen “Cresco Capital Group” im Wedding Studi-Appartmentes bauen will, kann das nichts Gutes bedeuten. Die Geschäftsführer Alexander Bürk und Daniel Schuldig wollen 700 Wohnungen für Studierende in der Brunnenstraße 123-125 bauen. Der Quadratmeterpreis bei ähnlichen Projekten der Cresco Capital Group, wie am Frankfurter Tor, in Friedrichshain, liegt bei 20 Euro pro m²! Die Wohnungen sind dabei max. 30m² groß, inkl. Küche und Toilette. Das Credo des alten Senats und seines inkompetenten Bausenators Andreas Geisel (SPD), lautete nicht zuletzt: Bauen, bauen bauen.
Völlig egal schien es, wer was für wen baut. Derzeit errichtet die Cresco Capital Group 700 Wohnungen im Volumen von 83 Millionen Euro, die 2017 fertiggestellt sein sollen.
Dass von einer privaten Bauwirtschaft mit klaren Rendite- und Profitinteressen nichts zu erwarten, verdeutlicht die Bewerbung des Friedrichshainer Bauprojektes:

„Wir errichten eine erstklassige Studentenwohn-Plattform, die unseren Investoren attraktive Renditen und hohen Kapitalschutz bietet.“

Diese Neubauten sind Teil eines ständig verschärfenden Aufwertungsprozesses im Wedding und ganz Berlin. Falls ihr selbst solche Projekte in eurem Kiez gesehen habt, schreibt uns und/ oder kommentiert die Beiträge. Organisieren wir uns gemeinsam gegen den Ausverkauf der Stadt und unserer Kieze. Weitere Folgen werden weiterhin wöchentlich hier auf dem blog oder hier veröffentlicht.

Mehr über Cresco Capital Group

Verdrängung beginnt hier: Zwischenresümee der Kiez-Kampagne

Sonntag, Februar 19th, 2017
Wir haben in den letzten Wochen zahlreiche Orte veröffentlicht, an denen Neubauten im Wedding errichtet werden. Diese Gebäude sind aus unserer Sicht Teil eines sich ständig verschärfenden Aufwertungsprozesses im Wedding und ganz Berlin. Über diese Orte haben wir nicht nur virtuell, sondern auch mit Plakaten im Straßenbild informiert. Auf unsere kleine Kampagne gab es viele und sehr unterschiedliche Reaktion: Manche waren wütend über die Projekte oder wollten wissen was nun dagegen getan werden kann. Andere wiederum waren Eigentümer*innen und Betreiber*innen, die uns anschrieben und unsere Aussagen kritisierten. Wiederum andere freuten sich, dass an den Ort „endlich mal was hinkommt“ oder sie kritisierten lediglich die Architektur der Bauten.
Einwände, die gegen die Kritik an Neubauten angebracht werden, sind zahlreich: Die Aussagen reichen von “man solle nicht immer alles Neue verteufeln“, über „da darf eben nur Gewerbe gebaut werden“, bis hin zu der Aussage, dass „jede neue Wohnung den Markt entspannt“. Bei all diesen Argumentationen wird aber die entscheidende Frage ausgeblendet: wer baut hier und für wen?
Zunächst wollen wir diese Frage für die drei unterschiedlichen Typen von Orten der Verdrängung beantworten, die wir bisher veröffentlicht haben: sogenannte “Studi-Apartments“, Atelierhäuser und Geschäfts-/Bürogebäude. In der Zukunft werden auch noch weitere Typen dazustoßen.
Die sogenannten Studi-Apartments
Ob „Campus Viva  I & II“, „CrescoCapital Student Housing “, oder die Neubauten auf dem ehemaligen Gelände des Stadtbads Wedding: Überall im Wedding werden sogenannte Studi-Apartments hochgezogen. Das Geschäftsmodell dieser kapitalträchtigen Investition ist in jedem Fall dasselbe: es werden möglichst viele Zimmer auf möglichst kleinem Raum errichtet. Diese Micro-Apartments – wir wollen die Zimmer nicht länger als “Studi-Apartments” bezeichnen – werden dann an Menschen verkauft, die eine „Eigentumswohnung“ in Berlin als renditereiche Kapitalanlage betrachten und das nötige Kleingeld dafür haben [130.500 € für ein voll möbliertes Zimmer (19 m²) und einer Rendite von 4,56% bei Campus Viva]. Im nächsten Schritt werden die Eigentumszimmer voll möbliert vermietet. Entweder an Menschen, die es sich leisten können über 20 pro m² und Monat auszugeben. Oder eben an solche Menschen, die kein anderes Zimmer in Berlin finden und einen Zweit- oder Drittjob annehmen müssen oder sich verschulden, um das Zimmer zu bezahlen. Im letzten Schritt verdienen dann Campus Viva und Co noch mal kräftig, da sie für die Verwaltung und Vermietung von der Miete noch mal ein nettes Stückchen abbekommen. Sie verdienen also doppelt: Für den Verkauf der Micro-Apartments und für die Verwaltung des Gebäudes. Wenn wir zu unserer Ausgangsfrage zurückkommen – wer baut hier für wen? –  lässt sich ganz einfach feststellen: die Neubauten dienen alleinig dazu, den Profit sowie die Rendite der großen und kleinen Investor*innen zu steigern.

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Verdrängt in Berlin: Folge 24 – Urteil vom Landgericht

Donnerstag, Februar 2nd, 2017

Das Urteil vom Landgericht Berlin ist entgegen aller Befürchtungen eine kleine Überraschung. Es beschreibt sehr detailliert das Versagen des Amtsgerichts Wedding und hebt dessen Schlussurteil auf. Der Rechtsstreit wird zur erneuten Verhandlung an das Amtsgericht zurückverwiesen. Das ist ein Riesenerfolg für die Nicht-WG, die nun erstmal in der Wohnung bleiben kann. Weniger schön ist, dass beim Amtsgericht wieder Richter Reifenrath über ihr Schicksal entscheiden soll. Was wird er wohl diesmal machen? Doch glücklicherweise ist das Landgericht gegenüber dem Amtsgericht weisungsbefugt und das Urteil liest sich wie eine indirekte Zurechtweisung von Reifenrath.

So schrieb das Landgericht, dass Reifenraths Urteil an wesentlichen Verfahrensmängeln leidet. Er hatte u.a. behauptet, dass die Nicht-WG bezüglich des Wasserschadens nicht gut genug vorgetragen hätte. Das sieht Landgericht nicht so. Außerdem lud Reifenrath die von der Nicht-WG benannten Zeugen, u.a. den damaligen Hausmeister Herrn Krüger nicht vor Gericht. Er meinte, sie können ohnehin nichts zur Klärung beitragen. Das ist ein gravierender Verstoß gegen den Anspruch der Beklagten auf rechtliches Gehör. Dieses Recht ist sogar im Grundgesetz verankert. Ein solcher grober Verstoß war für das Landgericht zu viel. Die Entscheidung des Amtsgerichtes ist daher nicht gültig, denn Reifenraths Urteil stützt sich auf die angeblich überzogene Mietminderung, ohne dass er die Zeugen gehört hätte. Trotz all dieser Fehler, auf die die Nicht-WG und ihr Anwalt mehrfach hingewiesen haben, gibt es keine Konsequenzen für Reifenrath. Er bleibt weiter am Amtsgericht und wird mit seinen Urteilen immer wieder Menschen aus ihren Wohnungen vertreiben. Das bei so einem System etwas nicht stimmen kann, liegt doch auf der Hand. Die WG freut sich allerdings erstmal über das Urteil.

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