Posts Tagged ‘Verdrängung’

Verdrängung beginnt hier: Youniq

Dienstag, April 11th, 2017

Youniq | Müllerstr. 34/Utrecher Str., 13347 Berlin | http://www.youniq.de/de/mieten/mullerstr-34| CORESTATE Capital Group

Der Immobilieninvestor “CORESTATE Capital Group” hat sich was ganz neues für den Wedding ausgedacht: ein hochwertiger Student*innen-Wohnkomplex. Youniq! 160 möblierte Wohnungen mit „Community Spaces“ und auf die „zukünftigen Nutzern“ zugeschnittenen Einzelhandel. Da können die paar übriggebliebenen Cents gleich wieder ausgegeben werden.

Bei diesem Bauprojekt kommen keine bezahlbaren Wohnungen für Studierende herum. Für die 18 m² bis 45 m² müssen die vermeintlichen Studis dann eine Miete von 499,00 € bis 1.119,00 € berappen. Auf der Website des Unternehmens mit Sitz in Luxemburg (Überraschung an!) wird vom hohen „Wertsteigerungspotenzial“ geschwärmt. Der „Chief Investment Officer“ Thomas Landschreiber argumentiert auch ganz unverhohlen für die langfristige Nachfrage nach solchen Wohnungen damit, dass „der Bedarf durch kontinuierlich steigende Erstsemesterzahlen gestärkt wird, die in Kombination mit leeren Kassen bei staatlichen oder konfessionellen Betreibern nicht nur Vollvermietung, sondern lange Wartelisten garantieren“. In den vergangenen Folgen haben wir bereits sehen können, was es bedeutet, wenn die Privatwirtschaft einen irgendwie formulierten „sozialen Auftrag“ bekannt gibt. Aus der Wohnungsnot wird hier eine Profitabsicherung. Studierende sind derzeit ein lohnendes Geschäft. Allerdings werden sich bei Mietpreise von deutlich über 25 Euro pro m² bis zu über 30 m² normale Studis ein solches Zimmer kaum leisten können (Überraschung aus!). Im Übrigen wirken sich dann diese absurden Mietpreise auch auf den Mietspiegel der umliegenden Mietwohnungen aus. Wedding sagt danke.
Ein kleiner „Vertreibungs-Fact“ zum Schluss: Berater des Unternehmens ist übrigens der frühere Bundespräsident Christian Wulff.
Diese Neubauten sind Teil eines ständig verschärfenden Aufwertungsprozesses im Wedding und ganz Berlin. Falls ihr selbst solche Projekte in eurem Kiez gesehen habt, schreibt uns und/ oder kommentiert die Beiträge. Organisieren wir uns gemeinsam gegen den Ausverkauf der Stadt und unserer Kieze.

Bisher veröffentlichte Bauten und ein Zwischenresümee der Kampagne finder ihr hier.

April-Tresen: Verdrängung beginnt hier! Teil 2 der Infoveranstaltungsreihe

Donnerstag, März 30th, 2017

06.04.2017 | 20 Uhr  | Café Cralle | Hochstädter Str. 10A

In Berlin pfeifen es die Spatzen von den Dächern: wir brauchen Wohnungen. Und das Credo des Berliner Senats heißt auch heute noch: Bauen! Bauen! Bauen!

An vielen Stellen werden marode Gebäude abgerissen, die letzten Brachflächen bebaut und wir stellen uns die Frage: Wer baut hier eigentlich was und für wen? Im Rahmen des zweiten Teils der Veranstaltung gehen wir gemeinsam auf aktuelle Bauprojekte in den Kiezen ein und stellen die Frage, ob sie wirklich den aktuellen Bedarf an Wohnraum decken können und welche Auswirkungen die Errichtung dieser Bauten auf den umliegenden Kiez haben.

Seit Dezember 2016 werden unter dem Slogan “Verdrängung beginnt hier”, virtuell und in den betreffenden Kiezen, Bauprojekte mit Plakaten in das Licht der Öffentlichkeit gebracht. (Hier ein Zwischenresümee) Das Ziel ist, die Hintergründe und die fatalen Konsequenzen dieser auf Profit- und Renditemaximierung gesteuerten Baupolitik bekannter zu machen und Möglichkeiten der Gegenwehr zu erörtern. Am 30.04. gehen wir im Rahmen der antikapitalistischen Demonstration “Organize- selbstorganisiert gegen Rassismus und soziale Ausgrenzung” auf die Straße und passieren einige dieser renditeträchtigen Bauprojekte.

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‘Mensch.Müller!’ – Preisgekröntes Scheinbeteiligungs-Trauerspiel unter Repression

Mittwoch, März 29th, 2017

1. Akt – Wasser auf ‘mensch-müller’s Mühlen…

Ungefähr drei Wochen vor der Neuwahl der “mensch.müller-Stadtteilvertretung” am 23. März 2017, in Berlin-Wedding, versuchten wir von der Stadtteilinitiative ‘Hände weg vom Wedding‘ mit einem ersten analytischen Text zu zeigen, aus welchen Gründen die mittlerweile neu gewählte Stadtteilvertretung ebenfalls zum Scheitern verurteilt ist. Wir argumentierten, lieber weiterhin auf eine selbstbestimmt-basisdemokratische Selbstorganisierung zu setzen, anstatt als Teil einer neoliberalen Mitmachfalle zu agieren, deren Folgen die Legitimation der systematischen Aufwertung und unsere Verdrängung aus der Nachbarschaft sein werden – ohne jedoch die sozialen Probleme unseres Kiezes anzugehen. Jene Analyse wurde jedoch vom stellvertretenden Sprecher der alten und längst aufgelösten Stadtteilvertretung, Walter Frey, verkannt, da ihm offensichtlich unsere systematische Kritik nicht bewusst wurde, die ihm im Gegenzug zur einer ellenlangen Stellungnahme veranlasste. In dieser ging er nicht auf die grundsätzliche Kritik ein, die unserer Analyse folgte: Die Stadtteilvertretung ist und bleibt in ihrer immer noch existierenden Form ein falsches, gefährliches und kapitalgesteuertes Mitmach-Trauerspiel. Für uns ist dieses Theater damit illegitim!

Auf die Stellungnahme von Frey gingen wir mit einem zweiten Text ein – mit der nicht allzu großen Hoffnung, dass dieser die Kritikpunkte etwas verständlicher vermitteln würde. Damit dies nicht nur virtuell stattfindet, luden wir andere kritische Gruppen und Einzelpersonen ein, zusammen mit uns, dieser Tragikomödie von einer Stadteilvertretungs-Neuwahl kritisch beizuwohnen.

Jene harmlose Einladung ging dann genauso direkt, per Telefon, Social-Media-Benachrichtigungen und Mailinglisten an ihre Adressat*innen – jedoch nicht öffentlich. Welche Reaktionen diese recht gezielten Einladungen seitens des Bezirks und ihrer Organe auslösten, ist eine gute Beweisführung für eine andere Analyse, die wir kürzlich über die aktuelle Scheindebatte um die “Politik der Sicherheit” in Berlin lieferten. Darin wurde aufgezeigt, dass jene öffentlich panisch geführte Debatten um “öffentliche Sicherheit”, sich letztlich immer noch in erster Linie um die kaptialunterstützende Sicherheit und gleichzeitig um die Unterdrückung der laut werdenden, kritischen  Stimmen dreht. Anstatt sich radikal in einen demokratischen Prozess für eine allgemeine und soziale Sicherheit für alle zu begeben, werden die kapitalistischen Ursachen für soziale Widersprüche und Gewalt verschwiegen.

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