Posts Tagged ‘Müllerstraße’

Fahrradrallye gegen “G20 Afrika-Konferenz”

Donnerstag, Juni 8th, 2017

Fahrradrallye gegen die „G20-Afrika Konferenz“

Tour pour L’Afrique – Visitez les profiteurs!

Gestartet wird im Wedding! Am Freitag den 09. Juni um 16 Uhr ab Müllerstr. 178:

[…] Neben dem Gipfel in Hamburg, gibt es in diesem Jahr viele weitere Treffen der G20-Gruppe in Deutschland, darunter die sogenannte G20-African-Partnership-Conference, die am 12. und 13. Juni im Gasometer in Schöneberg stattfinden soll. In einer Stadt, die durch die Berliner Konferenz (1884) wie wenige andere für die koloniale Aufteilung und Zurichtung des afrikanischen Kontinents steht, möchten sich 2017 Repräsentant*innen sogenannter globaler Führungsmächte zusammensetzen, um ihre kapitalistischen und militärischen Interessen abzugleichen. […]

Mehr Details (Action Days Berlin)

‘Mensch.Müller!’ – Preisgekröntes Scheinbeteiligungs-Trauerspiel unter Repression

Mittwoch, März 29th, 2017

1. Akt – Wasser auf ‘mensch-müller’s Mühlen…

Ungefähr drei Wochen vor der Neuwahl der “mensch.müller-Stadtteilvertretung” am 23. März 2017, in Berlin-Wedding, versuchten wir von der Stadtteilinitiative ‘Hände weg vom Wedding‘ mit einem ersten analytischen Text zu zeigen, aus welchen Gründen die mittlerweile neu gewählte Stadtteilvertretung ebenfalls zum Scheitern verurteilt ist. Wir argumentierten, lieber weiterhin auf eine selbstbestimmt-basisdemokratische Selbstorganisierung zu setzen, anstatt als Teil einer neoliberalen Mitmachfalle zu agieren, deren Folgen die Legitimation der systematischen Aufwertung und unsere Verdrängung aus der Nachbarschaft sein werden – ohne jedoch die sozialen Probleme unseres Kiezes anzugehen. Jene Analyse wurde jedoch vom stellvertretenden Sprecher der alten und längst aufgelösten Stadtteilvertretung, Walter Frey, verkannt, da ihm offensichtlich unsere systematische Kritik nicht bewusst wurde, die ihm im Gegenzug zur einer ellenlangen Stellungnahme veranlasste. In dieser ging er nicht auf die grundsätzliche Kritik ein, die unserer Analyse folgte: Die Stadtteilvertretung ist und bleibt in ihrer immer noch existierenden Form ein falsches, gefährliches und kapitalgesteuertes Mitmach-Trauerspiel. Für uns ist dieses Theater damit illegitim!

Auf die Stellungnahme von Frey gingen wir mit einem zweiten Text ein – mit der nicht allzu großen Hoffnung, dass dieser die Kritikpunkte etwas verständlicher vermitteln würde. Damit dies nicht nur virtuell stattfindet, luden wir andere kritische Gruppen und Einzelpersonen ein, zusammen mit uns, dieser Tragikomödie von einer Stadteilvertretungs-Neuwahl kritisch beizuwohnen.

Jene harmlose Einladung ging dann genauso direkt, per Telefon, Social-Media-Benachrichtigungen und Mailinglisten an ihre Adressat*innen – jedoch nicht öffentlich. Welche Reaktionen diese recht gezielten Einladungen seitens des Bezirks und ihrer Organe auslösten, ist eine gute Beweisführung für eine andere Analyse, die wir kürzlich über die aktuelle Scheindebatte um die “Politik der Sicherheit” in Berlin lieferten. Darin wurde aufgezeigt, dass jene öffentlich panisch geführte Debatten um “öffentliche Sicherheit”, sich letztlich immer noch in erster Linie um die kaptialunterstützende Sicherheit und gleichzeitig um die Unterdrückung der laut werdenden, kritischen  Stimmen dreht. Anstatt sich radikal in einen demokratischen Prozess für eine allgemeine und soziale Sicherheit für alle zu begeben, werden die kapitalistischen Ursachen für soziale Widersprüche und Gewalt verschwiegen.

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Mensch, Müller! Du musst doch verstehen…

Dienstag, März 21st, 2017

Antwort auf die Stellungnahme von Mitgliedern der Stadtteilvertretung “mensch.müller” zum Text “Mensch, Müller! Befreien können wir uns nur selbst! Warum auch die neue Stadtteilvertretung scheitern wird…”

Die Kritik im Artikel “Mensch, Müller! Befreien können wir uns nur selbst! Warum auch die neue Stadtteilvertretung scheitern wird…” zielt nicht darauf ab, eine fehlende Aktivität der Stadtteilvertretung zu bemängeln. Vielmehr geht es darum, das Selbstverständnis und den objektiven Rahmen zu kritisieren, in welchem sich die Stadtteilvertretung als Willensbildungs-Gremium bewegt und begreift. Konkret argumentieren wir, dass die Beteiligung an “mensch.müller” keine “Chancen einer Interessendurchsetzung für die hier lebenden Bürger*innen” darstellt und möchten die These entkräften, dass die Stadtteilvertretung “in dieser Hinsicht einige Möglichkeiten bietet, und dass diese Möglichkeiten genutzt werden sollten”. 
Die Reaktion kann nur die eine sein: Widerspruch! Wir haben die Stadtteilvertretung wegen ihres spezifischen Vereinnahmungscharakters als “Mitmachfalle” bezeichnet. Der Begriff geht auf den Soziologen Thomas Wagner zurück, der den Ruf nach mehr Bürger*innenbeteiligung – den auch wir grundsätzlich gut finden – in der Praxis als eine Simulation demokratischer Mitbestimmung analysiert, hinter der sich “nicht mehr, sondern deutlich weniger Demokratie verbirgt.” [1 – S. 11]. Auch die Stadtteilvertretung begreifen wir als solch eine Beteiligungsfassade. Und um deutlicher herauszustellen warum wir diese ablehnen, drei konkrete Gründe:
1. Keine Mitbestimmung
Die Stadtteilvertretung kann nichts, nada, niente, nothing, rien, nix mitbestimmen! Ihr wurde vom millionenschweren Bauprogramm “Aktive Zentren” keinerlei Macht oder wirkliche Gestaltungsmöglichkeit zugesprochen. Vielmehr beschränkt sich die “Interessendurchsetzung der Bürger*innen” auf den Austausch mit der Bezirkspolitik und ihren Ämtern. Den möglicherweise ähnlichen Effekt hätte ein Besuch beim Bezirksstadtrat. Du kannst zwar deine Bitten vortragen, aber eine Entscheidungsgewalt hast du nicht. Schon gar nicht, wenn es um eine grundsätzliche Kritik, zum Beispiel an den Aufwertungsvorhaben (siehe Gebiet um die Müllerstraße) und der damit einhergehenden Verdrängung geht. Hier kann nicht entschieden werden, ob und für wen gebaut wird, sondern allerhöchstens wie. Und das auch nur als netter Vorschlag. Im Gegensatz zu einer reinen Bürgerinitiative, die ebenso wenig institutionellen Einfluss hat, befördert die “Mensch.Müller” Stadtteilvertretung einen weiteren negativen Aspekt – die eines “Abnickgremiums”.

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Verdrängung beginnt hier: Zwischenresümee der Kiez-Kampagne

Sonntag, Februar 19th, 2017
Wir haben in den letzten Wochen zahlreiche Orte veröffentlicht, an denen Neubauten im Wedding errichtet werden. Diese Gebäude sind aus unserer Sicht Teil eines sich ständig verschärfenden Aufwertungsprozesses im Wedding und ganz Berlin. Über diese Orte haben wir nicht nur virtuell, sondern auch mit Plakaten im Straßenbild informiert. Auf unsere kleine Kampagne gab es viele und sehr unterschiedliche Reaktion: Manche waren wütend über die Projekte oder wollten wissen was nun dagegen getan werden kann. Andere wiederum waren Eigentümer*innen und Betreiber*innen, die uns anschrieben und unsere Aussagen kritisierten. Wiederum andere freuten sich, dass an den Ort „endlich mal was hinkommt“ oder sie kritisierten lediglich die Architektur der Bauten.
Einwände, die gegen die Kritik an Neubauten angebracht werden, sind zahlreich: Die Aussagen reichen von “man solle nicht immer alles Neue verteufeln“, über „da darf eben nur Gewerbe gebaut werden“, bis hin zu der Aussage, dass „jede neue Wohnung den Markt entspannt“. Bei all diesen Argumentationen wird aber die entscheidende Frage ausgeblendet: wer baut hier und für wen?
Zunächst wollen wir diese Frage für die drei unterschiedlichen Typen von Orten der Verdrängung beantworten, die wir bisher veröffentlicht haben: sogenannte “Studi-Apartments“, Atelierhäuser und Geschäfts-/Bürogebäude. In der Zukunft werden auch noch weitere Typen dazustoßen.
Die sogenannten Studi-Apartments
Ob „Campus Viva  I & II“, „CrescoCapital Student Housing “, oder die Neubauten auf dem ehemaligen Gelände des Stadtbads Wedding: Überall im Wedding werden sogenannte Studi-Apartments hochgezogen. Das Geschäftsmodell dieser kapitalträchtigen Investition ist in jedem Fall dasselbe: es werden möglichst viele Zimmer auf möglichst kleinem Raum errichtet. Diese Micro-Apartments – wir wollen die Zimmer nicht länger als “Studi-Apartments” bezeichnen – werden dann an Menschen verkauft, die eine „Eigentumswohnung“ in Berlin als renditereiche Kapitalanlage betrachten und das nötige Kleingeld dafür haben [130.500 € für ein voll möbliertes Zimmer (19 m²) und einer Rendite von 4,56% bei Campus Viva]. Im nächsten Schritt werden die Eigentumszimmer voll möbliert vermietet. Entweder an Menschen, die es sich leisten können über 20 pro m² und Monat auszugeben. Oder eben an solche Menschen, die kein anderes Zimmer in Berlin finden und einen Zweit- oder Drittjob annehmen müssen oder sich verschulden, um das Zimmer zu bezahlen. Im letzten Schritt verdienen dann Campus Viva und Co noch mal kräftig, da sie für die Verwaltung und Vermietung von der Miete noch mal ein nettes Stückchen abbekommen. Sie verdienen also doppelt: Für den Verkauf der Micro-Apartments und für die Verwaltung des Gebäudes. Wenn wir zu unserer Ausgangsfrage zurückkommen – wer baut hier für wen? –  lässt sich ganz einfach feststellen: die Neubauten dienen alleinig dazu, den Profit sowie die Rendite der großen und kleinen Investor*innen zu steigern.

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