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Dann eben Kirchenaustritt!

Sonntag, Mai 31st, 2015

Uns erreichte dieser Brief eines Weddingers, der wegen des unsozialen Verhaltens der Evangelische Nazarethkirchengemeinde aus der Kirche ausgetreten ist. Das finden wir super und haben es gleich auch mal ausprobiert. Eine Aktivistin aus dem Hände weg vom Wedding Bündnis meinte nach ihrem Kirchenaustritt:

„Es fühlt sich super an und es schien auch gleich die Sonne“.

Damit ihr euch auch gut fühlen könnt und die Sonne für euch scheint, haben wir den Brief leicht umgeschrieben, so dass jede_r der Kirchengemeinde schreiben kann, warum sie_er aus der Kirche austritt.

Gern könnt ihr natürlich auch selbst kreativ werden. Wie der Kirchenaustritt funktioniert steht hier.

Kirchengemeinde verdrängt Video-Kundgebung

Montag, April 27th, 2015

Mit allen rechtlichen Mitteln wehrt sich die Evangelische Nazarethkirchengemeinde am Weddinger Leopoldplatz gegen eine politische Kundgebung. Diese plante am 26.04. ab 18h eine Kundgebung mit einer kostenlosen Open-Air-Kino-Vorführung des gentrifizierungskritischen Films „Buy Buy St. Pauli“ auf dem Leopoldplatz. Da der vordere Teil des Platzes sich im privaten Eigentum der Kirchengemeinde befindet, versuchte die Stadtteilgruppe im Vorfeld eine Genehmigung zur Platznutzung zu erhalten. Nachdem die Kirchengemeinde dieses mit dem Verweis auf ihre politische Neutralität verwehrte, wurde von „Hände Weg Vom Wedding“ eine Einstweilige Verfügung vor dem Amtsgericht Wedding erwirkt. Dagegen legte die Kirchengemeinde Widerspruch ein, dem am 24.04. stattgegeben wurde.

Während des Verfahrens ließ die Vertreterin der Kirche keinen Zweifel am Unwillen aufkommen, sich mit Aufwertungs- und Verdrängungstendenzen im Wedding auseinanderzusetzen. Hierzu der Pressesprecher des „Hände Weg Vom Wedding“-Bündnisses, Martin Steinburg: „Es ist erschreckend, mit welchem Nachdruck die Evangelische Nazarethkirchengemeinde versucht eine politische Meinungsäußerung auf bestimmten Teilen des Leopoldplatzes zu verhindern. Als Besitzerin des Platzes stellt sie sich deutlich gegen die Interessen der von sozialer Ausgrenzung und Gentrifizierung betroffenen Menschen. So wird sie zum Akteur einer um sich greifenden Stadtaufwertung.“ Der vordere Teil des Leopoldplatzes ist trotz der privaten Besitzverhältnisse seinem Charakter nach ein öffentlicher Raum. Deshalb sollte der allen Menschen zur Verfügung stehen; auch für politische Kundgebungen. Dementsprechend sieht das „Hände Weg Vom Wedding“-Bündnis in diesem Rechtsstreit einen weiteren Beweis für eine immer stärkere Privatisierung des öffentlichen Raumes. Wer sich dagegen wehrt, soll mundtot gemacht werden – auch von der Nazarethkirchengemeinde.

Ein Kurzbericht von der Kundgebung am 27.04.

Presse: taz “Kein Recht auf Platz” / Berliner Woche

Evangelische Kirche sperrt Stadtteil-Aktivist*innen aus

Donnerstag, April 23rd, 2015

Bevor es in diesem Jahr zum 30.04. erneut mit einer antikapitalistischen Demonstration unter dem Motto „Organize“ durch den Wedding und Prenzlauer Berg geht, gibt es im Vorfeld ab dem 24.04.2015 eine Aktionswoche. Hier sollen sich Leute kennen lernen und die Inhalte der Demonstration im Weddinger Kiez bekannt gemacht werden. Neben einem Graffiti-Jam und zahlreichen Info-Veranstaltungen ist auch am 26.04. eine Open-Air-Kino-Vorführung von „Buy Buy St. Pauli“ unter Anwesenheit von einem der Filmemacher auf dem Leopoldplatz geplant. So sollen stadtpolitische Inhalte für alle Menschen auf einfache Weise zugänglich gemacht werden. Denn die im Film behandelten Themen rund um stadtstrukturelle Aufwertungsprozesse in Hamburg sind ebenso für Berlin brandaktuell. Doch dabei gibt es ein Problem. Die örtliche Kirchengemeinde verbietet dem organisierenden „Hände Weg Vom Wedding“-Bündnis die Nutzung des Platzes.

Wie ist das möglich?
Vor einigen Jahren ist der vordere Teil des Weddinger Leopoldplatzes vollständig in den Besitz der Evangelischen Nazarethkirchengemeinde übergegangen. Als private Eigentümerin betreibt sie den Platz seitdem ganz unchristlich im Sinne berlinweiter Aufwertungsprozesse. Als Erstes wurden ein paar Platznutzungsregeln verabschiedet, welche peinlich genau festlegen, wer den Platz nutzen darf und wer nicht. Vor allem die Menschen, die nicht in das Bild eines sauberen und schicken Viertels passen, werden einfach rausgeschmissen. So wurde zuerst die örtliche Trinker*innen-Szene gezwungen, vom vorderen Teil des Platzes in einen so genannten „Trinkerkäfig“ weiter hinten „umziehen“. Das ist wohl Nächstenliebe in Zeiten neoliberaler Stadtpolitik.

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„Soziale Säuberung“ am Leopoldplatz?

Sonntag, November 10th, 2013

beweisAm Freitag, dem 25.10.2013, wurde der neugestaltete vordere Teil des Leopoldplatzes im Wedding offiziell (wieder-)eröffnet.Was von den Akteur*innen vor Ort als Abschluss einer langwierigen Umbaumaßnahme zur Verschönerung des Platzes gefeiert wurde, bedeutet im Kern nichts anderes als einen weiteren Ausbau der örtlichen Sicherheits- und Ordnungsarchitektur.Anstatt wie behauptet ein „Platz für alle“ zu sein, werden zahlreiche Nutzergruppen von der Platznutzung ausgeschlossen.

Als zentraler Platz innerhalb des Weddings spiegelt der “Leo” wie kein anderer die bestehenden gesellschaftliche Probleme, wie Alkohol- bzw. Drogenkonsum oder Armut, des gesamten Gebiets wider. Mit der jetzt abgeschlossenen Umstrukturierung sollen diese aus der öffentlichen Wahrnehmung gedrängt werden.

Auch wenn der „Leo“ auf den ersten Blick wie ein öffentlicher Platz wirkt, ist er im privaten Besitz der Nazarethkirchen-Gemeinde, die ihn vor einigen Jahren vom Land Berlin zurück erwarb. Dieser Rückerwerb war jedoch an konkrete Bedingungen geknüpft. Hierzu gehörte u.a. die grundsätzliche Neugestaltung des Platzes, um ihn für unliebige Nutzergruppen, wie die oftmals angesprochene „Drogen- und Trinkerszene“, unattraktiver zu machen. Als einer der ersten Schritte wurde hierzu vor rund zwei Jahren ein sogenannter „Trinkerplatz“ im hinteren Teil des “Leos” errichtet, damit die betroffenen Menschen nicht mehr am repräsentativen vorderen Platz zu sehen sind. Gleichzeitig wurde ein dichtes sicherheitspolitisches Netz geschaffen, mit dem u.a. „eine Zurückorientierung der lokal ansässigen Szene auf den vorderen Leopoldplatz“ verhindert werden soll. Hauptakteur ist hierbei das altbekannte Konglomerat aus Bezirkspolitik, Ordnungsamt, Polizei und Quartiersmanagement (hier: QM Pankstraße).

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