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Das Brunnenviertel zwischen Neubau, Sanierung und Mietsteigerungen

Freitag, April 22nd, 2016
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Lärm-Demonstration gegen Verdrängung im Brunnenviertel

Am 30.4.2016 wird die Antikapitalistische Demonstration ORGANIZE auch durch das Brunnenviertel in Berlin-Gesundbrunnen ziehen. Dies ist ein Teil von Berlin, an dem seit einigen Jahren verstärkte Prozesse der Aufwertung und Verdrängung auf unterschiedlichen Ebenen nachvollzogen werden können. Hier können somit zahlreiche Entwicklungen, die viele Menschen in Berlin betreffen, konzentriert beobachtet werden. Mit der Demonstration gilt es, unseren Protest direkt an die betroffenen Orte zu tragen und gemeinsam ein Zeichen für eine andere Stadt zu setzen. Gleichzeitig ist die Demonstration auch als ein symbolischer Weckruf für die Menschen vor Ort zu verstehen, die Entwicklungen nicht einfach nur hinzunehmen, sondern zusammen dagegen aktiv zu werden.

Brunnenviertel kurz erklärt

Das Brunnenviertel in Gesundbrunnen ist ein Musterbeispiel um zu beobachten, welche Mechanismen in der neoliberalen Stadt zusammenspielen, wenn es um die großflächige Aufwertung von Quartieren und die daraus resultierende Verdrängung der jetzigen Bewohner*innen geht. Entstanden ist das Quartier zwischen den Stadtteilen Mitte und Prenzlauer Berg in den 1960er bis 80er Jahren als Großprojekt des Sozialen Wohnungsbaus in West-Berlin. Noch heute ist das Viertel eines der ärmsten in ganz Berlin. Gleichzeitig sind 2015 die Mieten mit 14,9% dort so stark gestiegen, wie sonst kaum in der Stadt. Das führt zu momentanen Durchschnittskaltmieten von rund 8 Euro/m2. Dass es zu Mietsteigerungen kommt, ist wenig verwunderlich. Das Viertel grenzt direkt an den inzwischen nahezu komplett durchgentrifizierten Prenzlauer Berg. Welche verheerende Auswirkungen die neoliberale Aufwertung haben kann, zeigt sich an den massiven Verdrängungseffekten im Zuge der Sanierungen: Schätzungen zufolge wurden seit 1990 zwischen 80 und 90 Prozent in “Europas größtem Sanierungsgebiet” letztendlich verdrängt. Da war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis die Aufwertungswelle auch nach Gesundbrunnen hinüberschwappt. (mehr …)

Kiezbankett: Selbstorganisierung gegen Entmietungen und soziale Ausgrenzung

Montag, August 17th, 2015

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Letzten Freitag veranstalteten wir ein Kiezbankett in der Buttmannstraße in Berlin Wedding. Anlass gab die vor gut einem Jahr vollzogene Zwangsräumung von Tina S.. Über 40 Jahre lebte sie in ihrer Wohnung, die sich in der Buttmannstraße 18 befand. Das Jobcenter hatte damals die Miete zu spät überwiesen. Jetzt wird die Wohnung für mehr als das Doppelte wieder vermietet. Wir haben keinen Bock, dass Menschen gegen ihren Willen aus ihrem Kiez verdrängt werden und andere daran verdienen.

Zusammengekommen sind ab 17 Uhr nette, interessierte Menschen aus der Nachbarschaft sowie Genoss*innen von „Zwangsräumung Verhindern“. In spannenden Gesprächen gab es regen Austausch über die Wohnungslage vor Ort, über Perspektiven der Organisierung sowie Strategien im Umgang mit Mieterhöhung und ihren Folgen – bis spät in die Nacht hinein.

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Durch ein Fensterkino gab es Videos und Mitschnitte von vergangenen Zwangsräumungen ebenso wie Videoschnipsel der diesjährigen Antikapitalistischen Demonstration „Organize“. Für einige Stunden entstand so ein solidarischer Raum im Kiez, den wir alle zusammen gestalteten.

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