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Verdrängung beginnt hier: Zwischenresümee der Kiez-Kampagne

Sonntag, Februar 19th, 2017
Wir haben in den letzten Wochen zahlreiche Orte veröffentlicht, an denen Neubauten im Wedding errichtet werden. Diese Gebäude sind aus unserer Sicht Teil eines sich ständig verschärfenden Aufwertungsprozesses im Wedding und ganz Berlin. Über diese Orte haben wir nicht nur virtuell, sondern auch mit Plakaten im Straßenbild informiert. Auf unsere kleine Kampagne gab es viele und sehr unterschiedliche Reaktion: Manche waren wütend über die Projekte oder wollten wissen was nun dagegen getan werden kann. Andere wiederum waren Eigentümer*innen und Betreiber*innen, die uns anschrieben und unsere Aussagen kritisierten. Wiederum andere freuten sich, dass an den Ort „endlich mal was hinkommt“ oder sie kritisierten lediglich die Architektur der Bauten.
Einwände, die gegen die Kritik an Neubauten angebracht werden, sind zahlreich: Die Aussagen reichen von “man solle nicht immer alles Neue verteufeln“, über „da darf eben nur Gewerbe gebaut werden“, bis hin zu der Aussage, dass „jede neue Wohnung den Markt entspannt“. Bei all diesen Argumentationen wird aber die entscheidende Frage ausgeblendet: wer baut hier und für wen?
Zunächst wollen wir diese Frage für die drei unterschiedlichen Typen von Orten der Verdrängung beantworten, die wir bisher veröffentlicht haben: sogenannte “Studi-Apartments“, Atelierhäuser und Geschäfts-/Bürogebäude. In der Zukunft werden auch noch weitere Typen dazustoßen.
Die sogenannten Studi-Apartments
Ob „Campus Viva  I & II“, „CrescoCapital Student Housing “, oder die Neubauten auf dem ehemaligen Gelände des Stadtbads Wedding: Überall im Wedding werden sogenannte Studi-Apartments hochgezogen. Das Geschäftsmodell dieser kapitalträchtigen Investition ist in jedem Fall dasselbe: es werden möglichst viele Zimmer auf möglichst kleinem Raum errichtet. Diese Micro-Apartments – wir wollen die Zimmer nicht länger als “Studi-Apartments” bezeichnen – werden dann an Menschen verkauft, die eine „Eigentumswohnung“ in Berlin als renditereiche Kapitalanlage betrachten und das nötige Kleingeld dafür haben [130.500 € für ein voll möbliertes Zimmer (19 m²) und einer Rendite von 4,56% bei Campus Viva]. Im nächsten Schritt werden die Eigentumszimmer voll möbliert vermietet. Entweder an Menschen, die es sich leisten können über 20 pro m² und Monat auszugeben. Oder eben an solche Menschen, die kein anderes Zimmer in Berlin finden und einen Zweit- oder Drittjob annehmen müssen oder sich verschulden, um das Zimmer zu bezahlen. Im letzten Schritt verdienen dann Campus Viva und Co noch mal kräftig, da sie für die Verwaltung und Vermietung von der Miete noch mal ein nettes Stückchen abbekommen. Sie verdienen also doppelt: Für den Verkauf der Micro-Apartments und für die Verwaltung des Gebäudes. Wenn wir zu unserer Ausgangsfrage zurückkommen – wer baut hier für wen? –  lässt sich ganz einfach feststellen: die Neubauten dienen alleinig dazu, den Profit sowie die Rendite der großen und kleinen Investor*innen zu steigern.

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