Posts Tagged ‘Aufwertung’

Verdrängung beginnt hier: Prinzenallee 35

Montag, Mai 29th, 2017

Nicht in meinem Hinterhof – not in my backyard!

Townhouses im Wedding gefällig? Kein Problem. Da haben wir was für dich – also, wenn du das entsprechende Kapital hast: Eigentumswohnungen und der „Traum vom Eigenheim“ für gerade einmal 4500€ pro m². Ein Schnäppchen für wohlbetuchte „Selbstnutzer und Kapitalanleger“.
Um den stolzen Preis den potentiellen Kund*innen schmackhaft zu machen, werben die Investor*innen mit dem „rauhen, ehrlichen und ursprünglichen Charme“ des Soldiner Kiezes und dem nahegelegenen Projektraum der Kolonie Wedding.

Irgendwie makaber, wie die sozialen Probleme des Kiezes beschönigt und als Vermarktungshilfe dienen. Und weil der Wedding doch irgendwie gefährlich klingt, wird ein „Sicherheitsschloss mit 3-facher Verriegelung“ angeboten. Kleiner Vertreibungs-Fact: Die Architekt*innen Gesa Schenk und Romed Perfler – direkt aus London umgezogen – haben auch das Projekt „WRANGEL 11“ in Kreuzberg hochgezogen. Ende 2018 soll dieser eher unscheinbare Leuchtturm der Verdrängung im Hinterhof der Prinzenallee 35 fertiggestellt sein. Die Gewerberäume, die als mögliche Cafés oder Galerien angeboten werden, stehen sinnbildlich dafür, dass auch das bezahlbare Konsumangebot für die alten Mieter*innen im Kiez immer weiter zurückgeschraubt wird.

Dieser Neubau ist Teil eines sich ständig verschärfenden Aufwertungsprozesses im Wedding und ganz Berlin. Falls ihr selbst solche Projekte in eurem Kiez gesehen habt, schreibt uns und/ oder kommentiert die Beiträge. Organisieren wir uns gemeinsam gegen den Ausverkauf der Stadt und unserer Kieze.

http://www.prinz35.de/ | Prinzenallee 35 Grundstücksentwicklung GmbH

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Verdrängung beginnt hier: Liesenstraße 10

Dienstag, Mai 16th, 2017

Mal ehrlich: hättest du Lust auf Geheimdienst-Angestellte im Kiez?

Die baupolitischen Schweinereien in dieser Stadt nehmen ja bekanntlich kein Ende. Warum sollte es mit diesem Luxus-Bauprojekt auch anders sein. Elf Wohnungen sollen hier entstehen. Natürlich sozialverträglich á la Berlin, ab 4.428€/m². Wer die Zielgruppe ist, wird auch recht schnell klar: auch mit der Zentrale des Bundesnachrichtendienstes (BND) in der Chausseestraße wird fleißig geworben. Also aufgepasst: bald können Mitarbeiter*innen des Geheimdienstes in unseren Straßen vermehrt auf Wohnungssuche umherstreifen. Gruselige Vorstellung, oder?

Mitfinanziert wird dieser Betonklotz für Reiche übrigens von der Berliner Volksbank. Der Bau hat noch nicht begonnen, derzeit können nur Reservierungen vorgenommen werden. Ein lauter und widerständiger Kiez kann sicherlich die eine oder andere Person auf der Suche nach Wohneigentum bzw. teurem Wohnraum abschrecken und Investor*innen es sich zweimal überlegen lassen, ob sie ihre Profitinteressen hier verwirklichen wollen.

LIESEN10 | Liesenstraße 10, 13355 Berlin | exklusiv-immobilien-berlin.de/neuba... | BBT GmbH/ Berliner Volksbank Immobilien GmbH

Dieser Neubau ist Teil eines sich ständig verschärfenden Aufwertungsprozesses im Wedding und ganz Berlin. Falls ihr selbst solche Projekte in eurem Kiez gesehen habt, schreibt uns und/ oder kommentiert die Beiträge. Organisieren wir uns gemeinsam gegen den Ausverkauf der Stadt und unserer Kieze.

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‘Mensch.Müller!’ – Preisgekröntes Scheinbeteiligungs-Trauerspiel unter Repression

Mittwoch, März 29th, 2017

1. Akt – Wasser auf ‘mensch-müller’s Mühlen…

Ungefähr drei Wochen vor der Neuwahl der “mensch.müller-Stadtteilvertretung” am 23. März 2017, in Berlin-Wedding, versuchten wir von der Stadtteilinitiative ‘Hände weg vom Wedding‘ mit einem ersten analytischen Text zu zeigen, aus welchen Gründen die mittlerweile neu gewählte Stadtteilvertretung ebenfalls zum Scheitern verurteilt ist. Wir argumentierten, lieber weiterhin auf eine selbstbestimmt-basisdemokratische Selbstorganisierung zu setzen, anstatt als Teil einer neoliberalen Mitmachfalle zu agieren, deren Folgen die Legitimation der systematischen Aufwertung und unsere Verdrängung aus der Nachbarschaft sein werden – ohne jedoch die sozialen Probleme unseres Kiezes anzugehen. Jene Analyse wurde jedoch vom stellvertretenden Sprecher der alten und längst aufgelösten Stadtteilvertretung, Walter Frey, verkannt, da ihm offensichtlich unsere systematische Kritik nicht bewusst wurde, die ihm im Gegenzug zur einer ellenlangen Stellungnahme veranlasste. In dieser ging er nicht auf die grundsätzliche Kritik ein, die unserer Analyse folgte: Die Stadtteilvertretung ist und bleibt in ihrer immer noch existierenden Form ein falsches, gefährliches und kapitalgesteuertes Mitmach-Trauerspiel. Für uns ist dieses Theater damit illegitim!

Auf die Stellungnahme von Frey gingen wir mit einem zweiten Text ein – mit der nicht allzu großen Hoffnung, dass dieser die Kritikpunkte etwas verständlicher vermitteln würde. Damit dies nicht nur virtuell stattfindet, luden wir andere kritische Gruppen und Einzelpersonen ein, zusammen mit uns, dieser Tragikomödie von einer Stadteilvertretungs-Neuwahl kritisch beizuwohnen.

Jene harmlose Einladung ging dann genauso direkt, per Telefon, Social-Media-Benachrichtigungen und Mailinglisten an ihre Adressat*innen – jedoch nicht öffentlich. Welche Reaktionen diese recht gezielten Einladungen seitens des Bezirks und ihrer Organe auslösten, ist eine gute Beweisführung für eine andere Analyse, die wir kürzlich über die aktuelle Scheindebatte um die “Politik der Sicherheit” in Berlin lieferten. Darin wurde aufgezeigt, dass jene öffentlich panisch geführte Debatten um “öffentliche Sicherheit”, sich letztlich immer noch in erster Linie um die kaptialunterstützende Sicherheit und gleichzeitig um die Unterdrückung der laut werdenden, kritischen  Stimmen dreht. Anstatt sich radikal in einen demokratischen Prozess für eine allgemeine und soziale Sicherheit für alle zu begeben, werden die kapitalistischen Ursachen für soziale Widersprüche und Gewalt verschwiegen.

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