Stadtspaziergang und Lesung: Wir gedenken 90 Jahre Weddinger Blutmai 1929 und dem antifaschistischem Widerstand

Liebe Nachbar*innen,

90 Jahre ist es her, da war ordentlich was los bei uns im Wedding am 01. Mai 1929. Und genau wie heute nutzten auch damals schon Arbeiter*innen, Nachbar*innen und alle Unterdrückten diesen Tag, um auf die Straße gehen. Der Wedding war schon immer ein Ort, an dem die Ausgebeuteten und Abgehängten dieser Gesellschaft lebten. Daher waren diese Proteste zum 01. Mai 1929 im Wedding besonders groß und kräftig. Hundertausende wollten damals auf die Straße. Ihre Themen waren ähnliche wie heute: zu hohe Mieten, zu niedrige Löhne, Stress mit der Polizei und vieles mehr. Auch damals schon war der Protest den Herrschenden ein Dorn im Auge. Sie schickten, angeführt von dem damaligen Polizeipräsidenten Zörgiebel (SPD), ihre Schlägertrupps. Es wurden aus ganz Deutschland Polizisten zusammengezogen. Ihnen wurde eingetrichtert, in Berlin die “kommunistische Gefahr” niederknüppeln zu müssen. Was dann folgte, ist als sogenannter “Blutmai” in die Geschichte eingegangen. Die Polizei richtete ein Blutbad unter den Weddinger Arbeiter*innen an. Diese wehrten sich, doch es blieb ein ungleicher Kampf: Mindestens 33 Arbeiter*innen zahlten mit ihrem Leben. Die Polizei verschoss über 12.000 Schuss scharfe Munition, teilweise auch direkt durch die Fenster der Wohnungen, die einfach an der Straße lagen.

Wir wollen zusammen mit euch diese Geschichte wieder sichtbar machen. Dazu laden wir euch am 01. Mai 2019 ein, mit uns einen Stadtspaziergang durch unseren Kiez zu machen. Wir gehen an die Orte, an denen vor 90 Jahren schon Weddinger Arbeiter*innen kämpften. Wir wollen dabei aus der Geschichte lernen. Unsere Kämpfe gelten heute steigenden Mieten, rassistischen Polizeikontrollen und Ausbeutung auf der Arbeit. Es sind (fast) die gleichen wie damals.

Im Anschluss wird es ein kleines Buffet im Kiezhaus Agnes Reinhold geben, wo wir Szenen aus dem Buch “Barrikaden am Wedding” von Klaus Neukrantz vorlesen werden. Wir freuen uns auf euer erscheinen. Für einen kämpferischen 1. Mai im Wedding.

10:00 Uhr, Hackescher Markt
Klassenkampfblock – Gewerkschaftsdemonstration

12:30 Uhr, Nettelbeckplatz (Brunnen)
Politischer Stadtspaziergang zum Blutmai 1929

15:00 Uhr, Afrikanische Str. 74
Essen u. Lesung “Barrikaden am Wedding“ im Kiezhaus

Aufruf zur Demonstration: Unsere Häuser, unsere Kieze. Gegen die Stadt der Reichen!

Am 30. April 2019 gehen wir gemeinsam auf die Straße. Steigende Mieten, Zwangsräumungen und Wohnungslosigkeit, Stress auf dem Jobcenter, rassistische Polizeikontrollen und zunehmende Überwachung: Gründe gibt es genug! Viele von uns sind nur zu gut mit den menschenverachtenden Folgen kapitalistischer und rassistischer Stadtpolitik vertraut. Die Spekulation mit Wohnraum von Investor*innen wie Deutsche Wohnen, Akelius & Co. sind Ausdruck eines brutalen Verdrängungsprozesses.

Die rot-rot-grüne Landesregierung vermarktet Berlin als Kapitalstandort, wo Wohnraum vor allem zur Erwirtschaftung von Profiten dient. Besetzungen von Leerstand und die Proteste gegen Zwangsräumungen werden mit Polizeigewalt unterdrückt. Immer noch gibt es jedes Jahr mehr als 3000 Zwangsräumungen. Solange Wohnraum eine Ware ist, sind wir von einem „Menschenrecht auf Wohnen“ weit entfernt. Dieses System produziert täglich Obdachlosigkeit und Angst um die eigene Existenzgrundlage. Zusammen stehen wir in den Kiezen gegen diese Politik von Unterdrückung und einer zunehmenden Überwachung.

Die derzeitige Situation wurde von Menschen gemacht und kann von uns verändert werden. Dafür müssen wir uns als Ausgebeutete und Unterdrückte zusammenschließen. Darum sagen wir: Gemeinsam kämpfen! Spaltungsmechanismen wie Rassismus und soziale Ausgrenzung werden nur solidarisch überwunden.

Die große #Mietenwahnsinns-Demonstration mit Zehntausenden von Menschen hat gezeigt, wie viele inzwischen entschlossen sind, die neoliberale Gesellschaftsordnung nicht länger hinzunehmen. Unsere Alternativen sind Solidarität und Selbstverwaltung in den Kiezen. Orte wie das „Kiezhaus Agnes Reinhold“ sowie die vielen widerständigen Mieter*innen und Projekte [1] zeigen, dass im Wedding und in ganz Berlin viele Ideen und Ansätze für eine Welt jenseits der kapitalistischen Kälte bestehen. Wir unterstützen die Forderung, große Immobilienkonzerne zu enteignen und der Spekulation mit Wohnraum ein Ende zu setzen.

Überlassen wir unsere Kieze und Häuser nicht den Reichen. Gemeinsam zeigen wir am 30.04. im Wedding, dass täglich Kämpfe um Würde geführt werden. Führen wir sie gemeinsam! Menschenwürde statt fette Rendite und Profit.

Demonstration | 30. April 2019 | 17 Uhr | Leopoldplatz (Berlin-Wedding)

Außerdem rufen wir zur Teilnahme auf:

Klassenkämpferischer Block | DGB-Demonstration | 1. Mai 2019 | 9:30 Uhr | Hackescher Markt

Mehr Details zur Demo, die Route und weitere Informationen erhaltet ihr in den kommenden Tagen unter http://organizeberlin.blogsport.eu

[1] Wir solidarisieren uns mit den Kämpfen gegen Verdrängung von Mieter*innen und Projekten wie dem Syndikat, Potse/ Drugstore, G17, Dubliner8, Kolonie10, AmMa65, der Rummelsburger Bucht und vielen mehr!

April der Mietenkämpfe!

 

* Samsatg 30.03, ab 12Uhr, Leopoldplatz, Kundgebung und Erzählcafé – Geschichten der Verdrängung
Gemeinsam wollen wir uns über unsere Erfahrungen von Verdrängungen und steigenden Mieten austauschen und schauen, wie wir uns in Zukunft weiter dagegen wehren können.
Wir brauchen dazu noch eure Geschichten der Verdrängung. Kommt vorbei und erzählt, was ihr bereits für Erfahrungen gemacht habt.
Es gibt auch dort die Möglichkeit uns bereits direkt anzusprechen, sich kennenzulernen und einzubringen.

* Sonntag 31.03, 14Uhr, Pariser Platz, Kundgebung an der französischen Botschaft gegen Zwangsräumungen
In Frankreich endet mit dem 31.03. die Winterpause für Zwangsräumungen. Als solidarisches Netzwerk wollen wir ebenso über die Landesgrenzen hinweg auf das Thema aufmerksam machen und uns für ein generellen Stopp von Zwangsräumungen überall einsetzen.

* Donnerstag 04.04., 20Uhr, Café Cralle – Hochstädter Straße 10, Infoveranstaltung
Bei dem April-Tresen von Hände weg vom Wedding stellt Lisa Vollmer ihr Buch “Strategien gegen Verdrängung” vor. Dort wollen wir gemeinsam schauen, welche möglichen Ansätze sich für uns als Stadtpolitische Aktivist*Innen vor Ort ergeben und wie wir sie umsetzen können.

* Samstag 06.04., 11Uhr, Leopoldplatz, Kundgebung und Vortreffpunkt zur Mietenwahnsinnsdemo
Als betroffene und kämpfende Mieter*Innen aus dem Wedding wollen wir gemeinsam zur Mietenwahnsinnsdemo fahren und dort auch geschlossen in den Interkiezionalen Block gehen. Wir wollen diese Möglichkeit nutzen uns weiter zu vernetzen, uns kennenzulernen und auszutauchen.
Angestrebt ist es 12Uhr vom Leopoldplatz über die Osloerstraße mit der U-Bahn zu fahren.

* Dienstag, 30.04., 17Uhr, Leopoldplatz, Demo: Unsere Häuser – Unser Kiez – gegen die Stadt der Reichen
Auch im diesen Jahr findet wieder die mieten-politische Demonstration im Wedding statt. Wir wollen gegen den Ausverkauf unserer Häuser, gegen die Verdrängung und die Stadt der Reichen auf die Straße gehen. Kommt mit, nehmt eure Nachbar*innen mit, bringt euch ein.
Weitere Infos zur Demo folgen.

Erklärung für die Pressekonferenz des #Mietenwahnsinn Bündnis im Rahmen der Demonstration am 6. April 2019

Die Erklärung richtet sich an Nachbar*innen und Pressevertreter*innen auf der Pressekonferenz des Mietenwahnsinn-Bündnis vom 26.03.2019 in Berlin:
Als langjährig bestehende stadtteilpolitische Gruppe „Hände weg vom Wedding“, rufen wir zur Teilnahme an der berlinweiten #Mietenwahnsinn-Demonstration auf.
Durch unsere Arbeit im Stadtteil Wedding, sind wir nur zu gut mit den menschenverachtenden Folgen neoliberaler und rassistischer Stadtumstrukturierung vertraut. In den vergangenen Jahren erleben wir im Wedding, so wie in allen anderen Stadtteilen auch, wie Berlin noch unverhohlener zur Beute renditegieriger Investor*innen wird. Das Credo des „Bauen! Bauen! Bauen!“ bedeutet die Errichtung teurer Mikroappartements (sogenannter Studiappartements, bspw. das Youniq sowie das Campus Viva I & II) und die unsoziale Aufwertung(Gentrifizierung) ganzer Kieze. Die Spekulation mit Wohnraum resultiert in einem massiven Verdrängungsdruck. Diese unsozialen Prozesse werden mit ordnungspolitischen Maßnahmen wie rassistischen Polizeikontrollen/Racial-Profiling (bspw. am Leopoldplatz) sowie der brutalen Räumung von Zelten von obdachlosen Menschen durch den grünen Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel flankiert, um soziale Widersprüche aus der öffentlichen Wahrnehmung zu drängen. 
Sauberkeit und Ordnung für die Durchsetzung von Invesor*inneninteressen und eine attraktivere Vermarktung unserer Kieze? Ohne uns.
Die akute Wohnungsnot ist für Senat und Invesor*innen scheinbar nicht der Anlass, konkrete Maßnahmen zur Schaffung von kostengünstigen Wohnraum zu ergreifen. Vielmehr wird weiterhin dem enfesselten Immobilien-Markt die Versorgung mit Wohnraum überlassen, während durch steigende Mieten und Zwangsräumungen Menschen weiter aus ihren Wohnungen verdrängt werden. Große, millardenschwere Wohnungsunternehmen wie Vonovia, Akelius, Deutsche Wohnen, ADO und weitere pressen zeitgleich fleißig überhöhte Mieten ab. All diejenigen, die sich bespielsweise in Niedriglohnjobs verdingen oder als asylsuchende Menschen ihr Leben in sogenannten „Modularen Unterkünften für Flüchtlinge (MUF)“ fristen müssen, haben fast keine Perspektiven für menschenwürdigen und letztlich bezahlbaren Wohnraum. 
Darum sagen wir: Gemeinsam kämpfen!
Spaltungsmechanismen wie Rassismus und soziale Ausgrenzung müssen solidarisch überwunden werden. Für uns bedeutet dies praktisch, öffentliche Aktionen und Räume zu schaffen, um zusammen zu kommen, uns zu vernetzen, um gemeinsam gegen Diskriminierung und kapitalistische Unterdrückung zu kämpfen. Seit dem Herbst des vergangenen Jahres haben wir mit dem Weddinger „Kiezhaus Agnes Reinhold“ einen Ort geschaffen, an dem sich kontinuierlich Nachbar*innen vernetzen und politische Perspektiven von unten entwickeln. 
Im Wedding bestehen viele aktive Kämpfe für eine Welt jenseits der kapitalistischen Kälte. 
Diese werden wir am 30. April 2019 sichtbar machen, wenn wir mit der Demonstration unter dem Motto „Unsere Häuser, unsere Kieze – gegen die Stadt der Reichen“ im Wedding auf die Straße gehen. Doch bereits am 30. März 2019 findet eine Mieter*innen-Kundgebung gegen Verdrängung, steigende Mieten und den Ausverkauf unserer Häuser auf dem Leopoldplatz statt.

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